Die meisten Störungen im Ziehprozess lassen sich am Werkzeug ablesen: Ringverschleiß, Riefen, Ausbrüche und Maßwanderung erzählen, was im Zug passiert. Leng analysiert verschlissene Ziehwerkzeuge zusammen mit den Ziehdaten, benennt die Ursache und schlägt eine Lösung vor — Nacharbeit, geänderte Geometrie, anderer Werkstoff oder eine korrigierte Ziehfolge.
Kommt Ihnen das bekannt vor?
- Die Standzeit ist zu kurz — Werkzeugwechsel fressen die Produktivität.
- Die Drahtoberfläche zeigt Riefen, Blankstellen oder Kratzer.
- Die Maße wandern, die Rundheit stimmt nicht mehr.
- Ein Werkzeug verschleißt auffällig schneller als seine Nachbarn im Ziehplan.
- Der Prozess läuft unruhig, der Draht reißt — oft an derselben Stelle.
Jedes dieser Symptome hat eine begrenzte Zahl möglicher Ursachen. Man muss sie nur systematisch ausschließen.
Das Verschleißbild lesen
Ringverschleiß im Ziehkegel ist das häufigste Bild: Am Erstkontaktpunkt des Drahtes gräbt sich eine Ringrille ein. Sitzt der Ring an ungewöhnlicher Stelle, stimmt meist der Kontaktpunkt nicht — der Draht sollte den Ziehkegel im mittleren Bereich berühren. Ursachen sind ein unpassender Ziehwinkel oder Fluchtungsfehler zwischen Draht und Werkzeug.
Riefen Richtung Führungszone zeigen fortgeschrittenen Verschleiß: Aus der Ringrille gelöste Partikel schleifen sich durch die Bohrung. Erreichen die Riefen die Führungszone, kippen Oberfläche und Maß des Drahtes schnell.
Maßwanderung nach oben heißt: Die Führungszone ist verschlissen oder zu kurz geworden — oft die Folge zu langen Wartens mit dem Nachpolieren.
Zentralbrüche (Cup-Cone) im Draht deuten auf zu hohe redundante Umformung: Das Verhältnis von Ziehwinkel zu Abnahme (Delta-Faktor) liegt zu hoch. Das ist kein Werkzeugdefekt, sondern ein Auslegungsthema.
So läuft die Analyse
Werkzeug und Daten einsenden
das auffällige Werkzeug, dazu Ziehgut, Maße, Geschwindigkeit und Schmierung. Ein Foto des Drahtfehlers hilft.
Befund
wir vermessen die Bohrung, beurteilen das Verschleißbild und gleichen es mit den Ziehdaten ab.
Empfehlung
konkret und ehrlich: nachpolieren, nachschleifen, Geometrie ändern, Werkstoff oder Beschichtung wechseln — oder die Ziehfolge korrigieren.
Sie erhalten eine Aussage, mit der Sie arbeiten können, keinen Katalogverweis.
